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04. Januar 2021 – Flügel im Kopf

Für das neue Jahr 2021 hat sich Susanne (alias Frau Nahtlust) ein tolles neues Projekt ausgedacht: Das Jahr der Miniaturen. Woche für Woche steht ein anderes Thema im Vordergrund. Was gewerkelt wird, steht jedem frei; die einzige Vorgabe ist, dass das fertige Werk nicht größer als 15 cm × 15 cm sein soll. Das Thema dieser ersten Woche lautet „Flügel „.

Mich hat die traurige Geschichte des „Schneiders aus Ulm“ dazu inspiriert, ein Büchlein mit dem Titel „Flügel im Kopf“ zu binden:

Das Frontcover ist eine Collage mit einem Zeitungsbild des gleichnamigen Films.

Der Schneider von Ulm hieß eigentlich Albrecht Berblinger und war ein sehr helles Köpfchen. Er hatte wahrlich „Flügel im Kopf“ – sprich, sehr innovative und tollkühne Ideen. Eine davon war, ein funktionsfähiges Fluggerät zu bauen.

Auf der Rückseite meines Büchleins sieht man eine Zeichnung seiner Flugmaschine – als Transfer über einer wilden Acrylmalerei.

Er hat dann auch tatsächlich eine funktionierende Flugmaschine gebaut und diese mit Erfolg am Michelsberg bei Ulm getestet. Doch bei der Demonstration vor dem König ging leider alles schief:  Da man dem dicken König die Fahrt vor die Tore der Stadt nicht zumuten wollte, musste Berblinger von der Adlerbastei aus starten. Durch die besondere Thermik am Ufer der Donau fehlten ihm jedoch die Aufwinde, die er zum Gleiten brauchte und er stürzte unter Hohn und Spott der Zuschauer in die Donau. Von da an ging es für ihn nur noch bergab. Inzwischen ist er als Erfinder längst rehabilitiert und auch bei mir hat er, wie man sieht, Eindruck hinterlassen. Deshalb das Büchlein… 😉

Hier sieht man die beiden Buchcover, noch bevor die Hefte eingenäht wurden.

Gebunden habe ich das Büchlein, das mit seinen 15 cm × 15 cm übrigens gerade noch so als Miniatur durchgeht, mit der Secret Belgian Binding, eine Bindung, die ich hier schon einmal beschrieben habe. Das besondere an dieser Bindung ist, dass zunächst das Cover gebunden wird und erst danach die Hefte eingenäht werden.

Hier sieht man, wie die Buchdeckel mit dem Buchrücken zusammengenäht wurden.

Für meine acht Hefte habe ich kariertes Papier von alten Matheheften genommen. Als Umschlag haben sie entweder den Heftumschlag bekommen oder eine Seite aus einem alten Mathebuch. Ich dachte mir, das passt zu meinem Erfinder..

Fertig eingebunden sehen die Hefte dann so aus:

Man kann das Büchlein ganz flach aufschlagen. Innen sind die Hefte, wie schon geschrieben aus kariertem Papier.
An den Buchdeckeln ist der Stich doppelt, am Buchrücken nur einfach.
Gut gefällt es mir, mein Büchlein. Und ich habe mal wieder feststellt, dass das eine tolle Bindung ist, die Secret Belgian Binding.
So, das war meine Nummer 1 beim Jahr der Miniaturen.

Schaun wir mal, wie viele es am Ende des Jahres sein werden…

11 Kommentare

  1. Claudia M. sagt

    Liebe Andrea, Dein Büchlein ist, wie es zu erwarten war, wunder-wunderschön geworden! Das Thema ist aber auch super! Auch Deine Innenseiten sind sehr toll! Vor längerer Zeit habe ich auch eine Collage mit einem dieser alten Flugpioniere gestaltet, allerdings war es bei mir
    Otto Lilienthal… Ich wünsche Dir ein gutes Neues Jahr und auch, dass Dir die Ideen nicht ausgehen. Wobei ich da keine Sorgen habe! Herzliche Grüße, Claudia (PS: Falls Du verraten magst, wie Du den Transfer gemacht hast, freue ich mich. Ich bin bisher mit jedem Versuch grandios gescheitert, ähnlich wie der Herr Berblinger……)

    • Liebe Claudia, inzwischen finde ich den Transfer von Bildern sehr einfach. Wichtig ist nur, dass du Ausdrucke vom Laserdrucker nimmst (oder halt Kopien aus dem Copyshop.). Den Untergrund streiche ich erst dünn mit Gelmedium ein (ich habe mattes) und lasse es kurz trocknen. Dann streiche ich das zu transferierende Bild mit Gelmedium ein, den Untergrund auch noch mal, lege dann das Bild drauf und drücke es mit dem Falzbein oder einer alten Pladtikkarte gut an. Dann heißt es Geduld haben, bis es getrocknet ist. Meist lasse ich es über Nacht trocknen. Am nächsten Morgen befeuchte ich das Papier und reibe vorsichtig mit einem nassen Lappen so lange drüber, bis alle Papierreste weg sind. Eventuell nochmal mit dem Finger. Bei mir klappt es so super! Viel Erfolg!!

      • danke hier nochmal für den tipp! bei mir hat es leider auch oft nicht geklappt. wahrscheinlich hatte ich keine laserkopien oder die bilder aus zeitschriften waren auch nicht geeignet. leider gibt es hier weit und breit keinen copyshop, sodass ich mich nicht noch weiter in die technik eingearbeitet habe. aber ich finde deine transfersachen immer super!!

  2. Also als Exil-Ulmerin finde ich den Schneider natürlich hervorragend! Mich hat wie jeder „Ulmer Spatz“ die Geschichte seit kleinauf begleitet. Irgendwo waren die Flügel ja immer zu sehen oder Berblingers Name zu lesen, und dass du sie hier für den Auftakt in das Kleinod-Jahr genutzt hast, ist genial! Da mag ich ein dickes Dankeschön rüberschicken für so ein feines WErk. Auch die Innenseiten sind famos! Hach, wie schön so ein Miniaturarbeit doch ist!
    LG. Susanne

  3. Das Buchcover ist ja schon mal sehr großartig – ach, ich liebe diese Buchbindung – und nun bin ich sehr gespannt auf deine ganzen Collagen, die sich ja sicherlich hier im neuen Buch einfinden werden!
    Liebe Grüße – Ulrike

    • Oh nein, liebe Ulrike, das habe ich mir ja gar nicht so gedacht… ich glaube, das Büchlein nehme ich für beflügelnde Gedanken…

  4. ein wirklich schönes buch!! deine transferbilder sind wieder wunderbar geworden, ich mag diese alten zeichnungen so gerne und nehme an, du hast sie auf dem laserdrucker kopiert. auch die büchlein innen sind toll und die bindung finde ich auch genial. ich muss mich einfach auch mal an so etwas rantrauen.
    ich freu mich auf jeden fall schon sehr auf weitere miniaturen von dir!
    liebe grüße – und falls ich es noch nicht gesagt habe: ein gutes neues jahr und einen fröhlichen austausch an kreativen ideen!
    mano

  5. Wow, dein geflügeltes Buch ist beeindruckend. Irgendwie passt alles zusammen, das Buchcover, die „Buchflügel“. Ich kenne den Film zwar nicht, doch die Idee von Flügeln im Kopf, die einen zu weiteren kreativen Ideen führen und die einen das triste, alltägliche, vorhersagbare Leben vergessen lassen, ist schön.
    Ich wünsche Dir noch viele weitere Höhenflüge im Jahr 2021
    LG regina /geraniE

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