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08. Oktober 2018 – Wirf deine Angst in die Luft…

Ende September… und ich habe immer noch keinen Plan, keine Lust und keine Zeit für mein Septemberkalenderblatt. Meine kreative Energie sitzt in einem Loch und schmollt…
Aber jetzt einfach nix zu machen, ist nicht wirklich eine Option… Wenn ich mir Projekte vornehme, ziehe ich sie in der Regel auch durch. Also heißt die Devise: Anfangen! Egal wie!!!
Ich habe mir vor kurzem ein Buch gekauft, in dem es um Oberflächengestaltung bei Mixed Media Projekten geht. Und so probierte ich auf meinem Kalenderblatt verschiedene Ideen aus:

Zuerst habe ich eine Schablone unter Alufolie gelegt und darübergestrichen, so dass sich das Motiv abgebildet hat…

Dann habe ich Pappbuchstaben, die ich auf dem Flohmarkt in Dresden entdeckte, auf meinen Kalender geklebt, die Alufolie drübergeklebt und anschließend mit Acrylfarbe bemalt.
Irgendwie war das Ergebnis noch nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Also habe ich weiter rumprobiert: Damit die Alufolie an manchen Stellen wieder hervorkommt, habe ich die Farbe dort mit Babytüchern weggerieben. Bei den Buchstaben und zum Teil über der Schablone, die ich schon vorher verwendet hatte. Ja, das war jetzt gut so!

Die Fläche darüber wollte ich, wie im Buch beschrieben, mit Frischhaltefolie bearbeiten..

Und noch weiter oben eine Technik ausprobieren, bei der man Klarspüler über die Farbe rinnen lässt. Beides war gar nicht nach meinem Geschmack… 😕

Also habe ich das Ganze einfach mit weißer Acrylfarbe bemalt und Bilder von Zeitschriften – mit der Sichtseite nach unten – draufgelegt. (So kann man einen „Acrylfarbentransfer“ herstellen.) Nach dem Abrubbeln des Papieres am nächsten Tag sah das alles aber ziemlich blöde aus:
zum Teil hat sich an manchen Stellen zuviel von den Drucken gelöst, die Übergänge sahen doof aus… (und ab DANN habe ich nicht mehr fotografiert, da ich nun doch leicht entnervt war…)
Schließlich habe ich zu Acrylfarben gegriffen und beherzt die Lücken und fehlenden Stellen „ausgebessert“ und angemalt. Und siehe da: langsam gefiel mir mein chaotisches Werk…
(Aber von diesem Stadium gibt es, wie schon erwähnt, keine Fotos…)

Da Frau Nahtlusts „Papierliebe am Montag“ Motto im Oktober „Handschrift“ lautet, habe ich einen Satz aus Rose Ausländers Gedicht „Noch bist du da“ zuerst auf Papier geschrieben und das dann als Schablone benutzt, um den Text zu sticken. (Das ganze wunderschöne Gedicht findet ihr am Ende des Beitrags.)

Ganz filigran und fein sieht es aus. Und es ist sehr schwer, auf dem Foto den Charme des Ganzen einzufangen… 🙁

Hier sieht man das Glänzende der Alufolie nicht…

… und dieses Foto ist auch nicht wirklich perfekt. So what! Mir gefällt mein verspäteter September und wer es sich genauer ansehen will, der ist gerne eingeladen, das bei mir zu Hause zu tun… es gibt auch Zwetschgenkuchen 😉

Noch bist du da

Wirf deine Angst
in die Luft

Bald
ist deine Zeit um
bald
wächst der Himmel
unter dem Gras
fallen deine Träume
ins Nirgends

Noch
duftet die Nelke
singt die Drossel
noch darfst du lieben
Worte verschenken
noch bist du da

Sei was du bist
Gib was du hast

(Rose Ausländer)

8 Kommentare

  1. Ach, so ein Prozess ist doch auch mal gut, dann schätzt man wieder umso mehr den Flow, den es ja auch gibt beim Kreativsein, und der sich unweigerlich bei dir wieder einstellen wird! Da bin ich ganz sicher. Also nicht verzagen und sich an dem Kalenderblatt mit all seinen Zwischenschritten und Mühen erfreuen – es ist doch in Summe wieder ein Schönes geworden! Danke für die Schrift – bestickt mag ich ja auch immer 🙂 – und fürs Verlinken und dir eine gute Woche. Lieben Gruß aus Heidelberg. Susanne

  2. Spätsommer – Blumenfülle – Dein Kalenderblatt für den September ist wunderschön geworden, trotz aller Widrigkeiten! Und Rose Ausländers Gedicht ist auch wunderschön. Mach weiter so, liebe Tochter – Nicht müde werden… Du weißt schon…
    Lieben Gruß, Mama

  3. Spannend!
    Wunderschön herbstzart.
    In unserem Garten blüht grad eine Asternwolke in diesem Farbklang.
    Mir tut es wieder richtig gut, Deine – und Roses – Worte zu lesen.
    Danke.
    Heidi

  4. Deiner netten Einladung zum Zwetschgenkuchen würde ich ja auf der Stelle gerne folgen, aber leider bist du ja nicht um die Ecke, liebe Andrea.
    Klasse, dass du so viel herumexperimentierst und auch Misslungenes zeigst, aber das Endresultat sieht toll aus mit dem ‚verschwommenen‘ Blütengarten in pink!
    Beste Grüße Ulrike

  5. Liebe Andrea,
    es ist wieder einmal etwas sehr berührendes herausgekommen und daß Du dann auch noch so ein schönes Gedicht dazu reingestickt hast, ist wie der Schlagobers auf dem Zwetchgenkuchen – den ich leider so wie auch Dein Kalenderblatt nur aus der Ferne genießen kann, aber danke für die Einladung

  6. ich finde es total gut, dass du oft den prozess der herstellung beschreibst und auch die fehlversuche benennst. das hilft weiter und gibt mir das gefühl, nicht allein mit eigenem misslingen zu sein. ich vergesse leider meistens bei der arbeit dann das auch zu fotografieren oder zu beschreiben.
    dein ergebnis ist wirklich super geworden und zeigt den september noch von seiner sommerlichen seite. das gedicht dazu ist so schön zu lesen und die stickschrift auf dem blumenmeer ist wunderbar.
    verspätete grüße
    mano

  7. qwetschekuuche! ich komm! kicher. menno, danke für den hinweg bis zu deinem septemberblatt. immer interessant zu sehen, wie lange andre leute an etwas arbeiten verwerfen unzufrieden sind blablubb, bis so was schönes bei rauskommt.
    das gedicht ist so schön, danke. die handschriftstickerei ist der i punkt! liebste abendgrüße.

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